Mittwoch, 26. Oktober 2016

Lost in Transition

Immer interessant, am eigenen Leibe zu erleben, wie Konzerne ihre Prozesse so weit verschlanken können, dass sie ihren eigenen Kundenbestand herunteroptimieren. Die Abschaffung der Kunden als höchste Stufe der Rationalisierung.

Umstellung von Simyo zu Blau.de (Mobilfunk): Da beide Marken zum selben Konzern Telefónica gehören, hat man sich offenbar Synergien aus der Zusammenlegung der Kunden- und Vertragsbestände versprochen. Der realisierbare Wert dieser Synergieeffekte wird wohl den Markenwert von Simyo übersteigen. Der Goodwill von Simyo wird somit komplett abgeschrieben, Kunden- und Vertragsbestände werden von der anderen Konzernmarke übernommen.

Simyo wird abgeschafft, und alle Nummern werden von Blau.de übernommen. So der Idealfall. Hat sicherlich auch in den meisten Fällen geklappt, hier aber nicht. Mit der Abschaltung des Simyo-Teilnetzes wurde die Nummer abgeschaltet, aber unter Blau.de aus irgendeinem unerfindlichen Grund nicht mehr aktiviert.
Symptomatisch: Da es sich um reine Online-Anbieter, also internetbasierte Unternehmensmarken handelt, gibt es keine menschlichen Ansprechpartner, keine beschreitbaren Wege, um besondere Kundenanliegen zu kanalisieren, die nicht den vorgegebenen Standardfragen im FAQ-Bereich zuzuordnen sind. Zumal man aufgrund der missglückten Umstellung nun gar kein Kunde mehr ist, da die Nummer nun als nicht vergeben bezeichnet wird. Guthaben ist auch erstmal verloren, da die Nummer weg ist bzw. gesperrt sein soll. Lost in Transition …
Kosteneinsparungen durch den immer weiter gehenden Abbau oder Verzicht auf Servicepersonal und eine 100%ige Abhängigkeit von einer Online-Infrastruktur können letztlich zu harten Kunden- und Umsatzverlusten führen. Auch wenn normalerweise ein Geschäft standardisiert abläuft, ist eine Netzzusammenlegung halt ein sensibler Vorgang, dem man vielleicht etwas mehr Beachtung hätte schenken sollen.

Montag, 3. Oktober 2016

Kulturelles

In der Schule hat man ja immer viel auswendig gelernt, ja? Bei euch auch? Wir mussten oft Gedichte auswendig lernen, dann vor der Klasse vortragen. Wie brave Papageien haben wir die heruntergebetet, ohne Sinn und Verstand. Kommt einem heute irgendwie seltsam vor oder?
Die Liebe zur Poesie wurde da in einem Kind bestimmt nicht geweckt, indem man es zwang, irgendwelche Verse auswendig zu lernen, für die man in dem Alter eh keine Antenne hat. Interpretation war ja weitgehend vorgegeben.  Ich mag auch heute noch keine Gedichte.
Vieles war auch politisch motiviert, klar, und dann diese beknackten Kampflieder erst im Musikunterricht.
Eine Stelle in einem bekannten Lied ging so:
 ... der Flügelmann im letzten Glied, 
mit Stahlhelm und MPi, 
als Melker der Genossenschaft, 
betreute er das Vieh....

Refrain : Gute Freunde, gute Freunde in der Volksarmee
Sie schützen unsere Heimat
zu Land, zur Luft und auf der See, juchhee


Haha.... weiter kenn ich den Text nicht mehr. Irre, wa?
Schwer, davon als Kind keine bleibenden Schäden zurückzubehalten.
Gesungen klingt das natürlich viel bessser, richtig schneidig.

Dienstag, 27. September 2016

Fragen

Wie hoch ist die Lebenserwartung von Schmetterlingslarven, die mitten in ein Termitenvolk geraten? Oder die eines Schafs, das in eine Schlangengrube springt oder sich einem Wolfsrudel anschließen möchte?

Welche Rolle spielen junge, vorzugsweise weibliche Gesichter für untergehende Ex-Volksparteien und das dortige Karteileichenklientel? Man betrachtet sie als hübsche Larven oder? Ja, kein Problem. Warum sollte man sich die Zugkraft junger Larven nicht zu Nutze machen? Doch aus einer Larve wird irgendwann eine Puppe. Was erhofft sich denn nun eine Larve im Termitenbau? Klar, sie will sich einnisten, sich dann von innen nach außen durchfressen und schlüpfen. Da könnte die Larve auch die Rechnung ohne ihren Wirt gemacht haben. Was, wenn gefräßige Insekten erkennen, dass sie sich ein Kuckucksnest ins Ei gelegt haben? Quatsch, umgekehrt natürlich (ist schon spät :-). Oder auch mal völlig frei und trans- bzw. interdisziplinär in den Raum gefragt: Was würden Vertreter dieser seltsamen kalifornischen Schneckenart denken, die von parasitär lebenden Trematoden befallen und allmählich von innen aufgefressen werden? Ganz langsam, nach und nach werden diese Schnecken zombifiziert, sie fressen und leben fremdgesteuert noch lange weiter. Leben die noch wirklich? Klar, aber wie bewusst? Alternativloses Weiterkriechen ist angesagt. Weiter, weiter, nur nicht anhalten. Immer schön der Schleimspur des Vordermanns folgen, nicht ausrutschen.

Donnerstag, 15. September 2016

xxx

Irgendwann in den späten 70ern lief die Serie "Kung Fu" mit David Carradine. Kennt die noch jemand? Ach nee, da wart Ihr bestimmt noch nicht auf der Welt. Na, jedenfalls der unvergessene David Carradine aus dem Schauspieler-Clan der Carradines hat da einen chinesischen Mönch auf seinen Wanderungen durch die USA zur Zeit des Wilden Westens verkörpert ...
Na ja, aber was wollte ich schreiben ... ach so, ja.
Der Shaolin-Mönch namens Kwai Chang Caine gab in der Serie u.a. immer fernöstliche Weisheiten zum Besten. In einer Folge, als er längere Zeit in einer Stadt gelebt hatte, das war wohl San Francisco, sagte er sinngemäß: "Wenn du sehr lange an einem Ort verweilst, dann kommt die Welt zu dir."
Und das kommt mir immer in den Sinn. Ich lebe ja schon recht lange in Berlin.

Dienstag, 30. August 2016

Tomaten

Reiche Tomatenernte dieses Jahr. Cool. Von drei eingetopften Balkonpflanzen hab ich bestimmt schon 20 reife Tomaten gepflückt, und vorgestern hab ich noch mal über 30 grüne gezählt. Insgesamt werden's also bestimmt über 50. Mal sehen ... So viele hab ich noch nie als Ausbeute von nur drei Balkonpflanzen gesehen. Scheint wenigstens, was die Tomatenernte angeht, ein Rekordjahr zu werden. Nja, vielleicht liegt's auch an der Sorte. Kann sein, die Pflanzen aus den letzten Jahren waren kleinwüchsiger, so wie hier auf dem Foto. Die diesjährigen werden größer, eine Pflanze ist riesig; schmecken auch sehr gut, aromatisch, leicht säuerlich. Tja ja, geht nichts über heimische Tomaten.

Donnerstag, 18. August 2016

Auszeit

Mal zur Abwechslung wieder etwas aus der Kategorie "Was hier alles so kreucht und fleucht"

Und die gewichtige Hummel ist auch immer mal wieder gern zu Gast. Stichwort: Hummel-Paradoxon :-)

Donnerstag, 7. Juli 2016

Mal einen Gang herunterschalten

Mal einen Gang runterschalten, beruflich etwas kürzer treten, in ruhigere Fahrwasser segeln, die Seele baumeln lassen, ja? Hört man doch oft, oder vielleicht hat’s der oder die eine oder andere vielleicht auch selbst mal gesagt.
Oft gehört, aber nie hinterfragt. Ich meine das Bild: einen Gang runterschalten. Eigentlich unlogisch, technisch nicht so stimmig, das gedankliche Bild oder?
Nach dem Herunterschalten erhöht sich die Motordrehzahl, und ein höheres Drehmoment ist verfügbar, d. h. die Zugkraft nimmt zu, z. B. der Motor leistet in dem Moment mehr Arbeit, wenn man gerade einen Berg hochfährt oder sich durch schweres Gelände wühlt. Ist ja auch gewollt. Da schaltet man in einen kleinen Gang, muss natürlich Gas geben und der arme Motor heult auf, wird heiß, das Kühlwasser kocht, der Benzinverbrauch steigt, Verschleiß ist höher … etc. pp. also Leuts, die immer in nem kleinen Gang fahren, nennt man auch Schleicher, rollende Verkehrshindernisse, Deppen usw. usf.
Ich meine, man fährt ja im kleinen Gang höhertouriger, und der Motor sowie die Abtriebszahnräder drehen somit schneller (höheres Übersetzungsverhältnis). Und die Crux des Ganzen ist Folgendes:
Da jeder von uns (nehme ich an) nur ein kleines Rädchen im Getriebe ist, kann man sich vorstellen, dass man sich beim Herunterschalten schneller drehen und somit auch härter arbeiten muss. Die Wunder der Technik bilden eben oft eine passende Analogie zum bunten Leben, man muss sie aber richtig anwenden bzw. interpretieren. Deshalb wundern sich ja viele Leuts, dass es eben mit dem Herunterschalten zwecks Stressbewältigung und Verbesserung der Life-Work-Balance doch net ganz so einfach ist?
Man kommt langsamer voran, muss dafür aber mehr vergleichsweise mehr leisten und quält sich vielleicht noch, tja ja…
Ja, ist nur eine Redewendung; okay, aber irgendjemand muss sich die ja irgendwann mal ausgedacht haben, aber vielleicht stammt der Ausdruck auch noch aus der Anfangszeit der automobiltechnischen Massenmobilisierung, als die Übersetzungsverhältnisse der Getriebe von Ford und Co. noch nicht so krass auseinander lagen oder man eh nur zwei Gänge (schnell und langsam) hatte und eher großvolumige (langsam drehende) Motoren gebaut wurden…  It’s all about Hubraum, Leute. Immer. Oder irgendein Sprachmensch ohne großes technisches Verständnis hat wie so oft mal was dahergelabert und alle haben’s übernommen.
Hmm, im Englischen heißt es ja auch „Downshifting“, fällt mir ein – wird auch im gleichen Sinne gebraucht… Na ja, aber eigentlich müsste man sagen: mal (einen Gang hochschalten und) Gas wegnehmen oder?

Dienstag, 5. Juli 2016

Handgreifliches

Die unsichtbare Hand, ja, die kennt man. Adam Smith, ja? Bisher dachte ich, dass die ausreicht für alle Belange des täglichen Wirtschaftslebens. Na ja, dann gäbe noch die Hand Gottes. Für alle Fälle. Die wäre auch nützlich, in letzter Instanz. Und die Hand des Staates natürlich, klar.
Aber eine dritte Hand brauch ich auch. Ich persönlich. Für's Löten. Ohne geht's wirklich nicht, merk ich.
PS: Hatte doch glatt vergessen, dass ich das anhand eines Fotos verdeutlichen wollte. Da fehlte ja dann der veranschaulichende Lerneffekt. Na, diese simple, aber sehr sinnvolle Halterung hier meinte ich: