Freitag, 26. Juni 2015

Uber-ragendes Konzept

"Uber" bietet Vermittlungsleistungen an und versucht nebenbei, mittels einer "Entprofessionalisierung" einst professionell geregelter Dienstleistungen einen ganzen Markt im Sturm zu übernehmen sowie nebenbei - reguläre Arbeitsverhältnisse zu atomisieren. Dem Kunden wird hier ein Vorteil suggeriert, der jedoch allein darauf basiert, dass geregelte Erwerbsverhältnisse aufgespalten und "trivialisiert", d.h. in einen Zuverdienst-/Hobby-Sektor überführt werden. Qualifizierte Taxifahrer verlieren Umsätze und Einkünfte, während sich Privatanbieter ein gelegentliches Taschengeld hinzuverdienen. Okay, die schlechter bezahlten und nebenberuflich agierenden Uber-Fahrer sind dann aber bestimmt ganz viel freundlicher, ausgeruhter und serviceorientierter als die miesepetrigen Taxikutscher. Der Kunde gewinnt aber gar nix - letzten Endes ist's doch nur so, dass der eigentliche Leistungserbringer nicht mehr dem Kunden 100%ig verbunden ist, sondern von einem zwischengeschalteten US-Vermittlungskonzern voll abhängig sein wird. Und letztlich existiert auch Uber nur, weil es vom Google-Konzern und politisch bestens vernetzten Equity Fonds gestützt wird. Welches Unternehmen kann sich leisten, einen Mann wie David Plouffe als Lobbyisten zu engagieren, den Ex-Wahlkampfstrategen von Obama? Doch ein gutes Beispiel dafür, wie allmählich politischer Druck auf Regierungen aufgebaut wird, um widerstrebenden Volkswirtschaften elendsfördernde US-Geschäftsmodelle aufzuzwingen - die "Uberisierung" als Blaupause zur Zerschlagung und Übernahme ganzer Branchen in saturierten westlichen Ländern - einzige Wachstumsmöglichkeit auf ansonsten gesättigten Weltmärkten.

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Oma hat sonntags immer einen Kuchen gebacken. Der Kuchen hatte eine grob vorgegebene, definierte Größe, die durch die zur Verfügung stehende Menge der Zutaten begrenzt war. Der Kuchen wurde also mit der Zeit nicht mehr größer, klar ja? Was hätte also der böse Nachbarsjunge tun können, der Appetit auf Kuchen bekam - als Außenstehender hatte der ja eigentlich kein Anrecht auf ein Kuchenstück, d.h. der hatte es sich nicht verdient? Der hätte sich doch sagen können: Ich geh rüber und biete mich der Omi als Kuchenvermittler an - alle sind begeistert. Sodann nehme ich mir also erstmal ein gutes Stück vom leckeren Apfelkuchen und erkläre den anderen, wie toll das ist, wenn sie sich um den Rest nicht prügeln müssen, sondern ich vermittle/verteile den Rest an Sie "fair". Ich strecke den Restkuchen natürlich etwas, streue auch ein paar Sägespäne drauf und oben drauf etwas billige Sprühsahne, damit's nicht ganz so auffällt. Jetzt wird zwar keiner von der Familie mehr satt, und der Magen drückt zuweilen, aber alle freuen sich, dass es kein Gezänk mehr um die Kuchenverteilung gibt, da der Vermittler seine Sache so gut macht. Zusätzlich zum Staat natürlich, der letztlich auch nichts anderes tut, als sich ein Kuchenstück abzuzwacken.

Kommentare:

  1. Ach Max, das gibt es nicht nur in der Taxi-Branche. Überall sitzen Consulting-Unternehmen, sogenannte Wirtschaftsberater und fressen sich fest, in der Hoffnung, die eine oder andere Sparte einer Firma abzwacken zu können für den eigenen Umsatz. Höchst bedenkliche Praxis mittlerweile.

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  2. Ja, hast Recht. Ganz genau. Es betrifft eben viele Branchen, und zunehmend ist es verrückterweise immer so, dass für die wirklichen Leistungserbringer netto immer weniger übrig bleibt. Ich hab das Beispiel nur rausgegriffen, weil ich dazu in nem anderen Blog nen Kommentar geschrieben hatte und nicht sicher war, ob der veröffentlicht wird. War jetzt nur so dahingerotzt. Kann man eh ignorieren...
    Übrigens deine kurze Story vom zerbombten Hamburg, die ich neulich in deinem Blog las, hat mir auch gefallen! :-)

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  3. Wir (als Gesellschaft) sind Opfer unseres eigenen Erfolgs geworden.

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