Da sitzt der Schnorrer mit seinem Hund, schon ewig hockt er da, bestimmt nicht gesund, mit starrem Blick gehn sie alle vorbei; nicht schutzsuchend, da ist's einerlei.
Hatte eine sonderbare prädystopische Anwandlung, als ich mich vorhin ins Menschengewimmel am Ostkreuz stürzte. Es wurde recht fix dunkel, und dieser feine Sprühregen setzte ein. Irgendwie erinnerte mich die Atmosphäre an eine Filmszene, die ich schon immer sehr beklemmend fand (ab ca. 1:00 min.) Blade Runner. Fiktives Los Angeles 2019 Diese düstere feuchte Atmosphäre, die ganzen Freaks und die Elenden, stumpfsinnige Menschenmassen, die sich desinteressiert durch Gänge und Gassen wälzen. Erschreckend, wie Berlin 2015 (nach meinem Empfindem) diesem dystopischen Vorbild zu ähneln scheint.
Wir nähern uns einem finalen Zeitpunkt, dem Endpunkt der Entwicklung menschlichen Schöpfergeistes, an dem jeder semantisch sinnvolle Satz (wie auch dieser hier) schon einmal geschrieben, jeder denkbare Gedanke gedacht, jedes erfahrenswerte Erlebnis erlebt, jede mögliche Geschichte erzählt, jede eingängige Melodie schon einmal komponiert, jedes vorstellbare Bild bereits gemalt oder jedes Fotomotiv schon einmal inszeniert wurde. Alles scheint sich nur in mehr oder meist eher weniger kreativ anmutenden Variationen und Abwandlungen zu wiederholen. Vielleicht hat man den besagten Punkt auch schon längst erreicht. Geschafft.
John Carpenter: "Sie leben". Ich mag ja etliche Filme von John Carpenter, die man meist sofort an dieser prägnanten minimalistischen Synthesizer-Musik erkennt, die er selbst komponiert hat. Carpenter hat für diesen Film auch das Drehbuch unter Pseudonym verfasst. Ich stieß jedenfalls gestern zufällig auf diesen Film, den ich für einen der besten Filme Carpenters halte. Irgendwann Anfang der 90er hatte ich den schon mal gesehen, hatte ihn aber für viel älter gehalten (wahrscheinlich wegen der Schwarzweiß-Szenen). Sehr interessanter Film, durchaus kein Trash, sondern sogar ziemlich tiefsinnig, weil medien- und gesellschaftskritisch. Hatte ich damals aber nicht so gesehen. Na ja, andererseits sollte man nicht immer irgendwelches Kritikergeschwafel hineininterpretieren: Einfach nur ein geiler Film, wo verfluchte Aliens abgeknallt werden.
;-) Ich hab mir den Film hier nochmal reingezogen, der Clip hat auch eine recht gute Qualität übrigens.
Vor geraumer Zeit, als ich noch Adsense-Werbung im Blog geschaltet hatte, ist mir aufgefallen, dass das betreffende Google-Modul wohl nicht bewerten kann, ob ein Schlüsselbegriff in einem positiven oder negativen Kontext im Text des Beitrags erscheint. Bevor kontextsensitive Werbung eingeblendet wird, müsste das Modul eigentlich beurteilen oder feststellen können, ob ein zugrunde liegender Schlüsselbegriff in einem für das betreffende Produkt günstigen Werbeumfeld erscheint oder? In anderen Medien würde man das sicherlich tun. Also wenn ich mich z. B. in irgendeinem Beitrag über die etwaige Schädlichkeit eines bestimmten Milchpulvers auslasse, wär es nicht sinnvoll, daneben Werbung für eben dieses Milchpulver zu schalten Offenbar wird aber bei der Online-Werbung jede Erwähnung eines Begriffs, ganz gleich, ob im positiven oder negativen Zusammenhang, als Aufhänger für Werbung für entsprechende Produkte genutzt. Wobei man diese Adsense-Module zumindest auch thematisch oder branchenspezifisch anpassen kann, wenn ich mich recht erinnere. Na ja, ist aber im Grunde auch egal, da ich keine Werbung mehr drin hab ... Ignorieren ist ohnehin die beste Lösung. Denn Ignoranz ist Stärke, wusste schon der gute alte George Orwell. ;-)
Ein gelegentlich wiederkehrender Traum handelt davon, dass
ich eine Leiche im Vorgarten vergrabe. Ich habe diese Person getötet. Im Traum
kenne ich diese Person. Warum habe ich das getan? Ich weiß es nicht genau, doch
im Traum wusste ich es. Ich spüre allerdings, dass mir die Tat nicht
leichtgefallen ist; und doch muss ich einen guten Grund für meine Handlung
gehabt haben. Passt ja gar nicht zu mir. Die betreffende Person hatte es
verdient; und es war aus irgendeinem Grund notwendig. Jeder Richter würde dafür
Verständnis aufbringen, bilde ich mir ein. Notfalls müsste ich ihm mein Motiv
bei einem persönlichen Besuch erläutern. Du, ich konnte nicht anders. Besser so,
als Frust in sich reinfressen. Ich mach aus meinem Herzen keine Mördergrube. Verstehst
du, Richter? Fessel und Knebel angenehm?
Interessanterweise endet dieser Traum meist erst nach einigen
Jahren, die wie im Zeitraffer vergehen. Der kleine Fliederbusch, den ich einst
gepflanzt habe, ist gut gewachsen und hat mehrmals geblüht. Lila, betörend
duftend. Man könnte sich oder jemandem ein Ohr abschneiden für diesen
Fliederduft. Ich bilde mir ein, irgendwann ein schuldähnliches Gefühl zu
verspüren. Bekomme ich etwa Gewissensbisse? Ich wache auf und überlege, ob ich
es war oder nicht. Der Fliederbusch ist noch ganz klein und hat daher dieses
Jahr noch nicht geblüht. Es dauert eine Weile, bis ich mir darüber im Klaren
bin.
Dies les ich auch gerade, parallel zu einem anderen Buch: Friedrich Wilhelm Nietzsche: "Ecce homo - Wie man wird, was man ist" Das schrieb er gegen Ende seines Lebens, ist aber gar nicht mal so verschwurbelt, wie man vielleicht denken mag, wenn man's nicht kennt. Gefällt mir ganz gut. Ich las früher auch mal was von ihm über Moral, das hab ich doch schon mal irgendwo und irgendwann erwähnt, ach ja hier: http://citronimus.de/im-kreise-dreht-es-sich/
Zitat, in dem Nietzsche sich selbst beschreibt: "Ich bin zum Beispiel durchaus kein Popanz, kein Moral-Ungeheuer, - ich bin sogar eine Gegensatz-Natur zu der Art Mensch, die man bisher als tugendhaft verehrt hat. ... Das Letzte, was ich versprechen würde, wäre, die Menschheit zu "verbessern". Von mir werden keine neuen Götzen aufgerichtet; die alten mögen lernen, was es mit thönernen Beinen auf sich hat. Götzen (mein Wort für "Ideale") umwerfen - das gehört schon eher zu meinem Handwerk. Man hat die Realität in dem Grade um ihren Werth, ihren Sinn, ihre Wahrhaftigkeit gebracht, als man eine ideale Welt erlog… Die "wahre Welt" und die "scheinbare Welt" - auf deutsch: die erlogne Welt und die Realität… Die Lüge des Ideals war bisher der Fluch über der Realität, die Menschheit selbst ist durch sie bis in ihre untersten Instinkte hinein verlogen und falsch geworden bis zur Anbetung der umgekehrten Werthe, als die sind, mit denen ihr erst das Gedeihen, die Zukunft, das hohe Recht auf Zukunft verbürgt wäre." (Ecce homo. Wie man wird, was man ist)
:-) Recht so. Die alten Götzen mögen lernen, was es mit tönernen Beinen auf sich hat.