Samstag, 5. März 2016

Fire and Forget

Verflucht noch eins! Habe bestimmt drei oder vier Tage immer wieder mal halbstündlich an einem neuen Posting herumgefeilt, ergänzt, geändert, gestrichen, umgestellt, entnervt aufgegeben, dann doch weiter geschrieben ... nur, um es letztlich doch zu verwerfen, endgültig.
Je länger ich schrieb (vor der zwingend erfolgenden Kürzung waren es vier A4-Seiten), desto weniger gefiel es mir - belanglos, sinnlos, zu geschwätzig und dabei auch nicht gut genug. Schade um die Zeit, denke ich mir dann, in der ich besser etwas gelesen oder sinnvolle Dinge (was auch immer) getan hätte. Ja, Dinge tun - am besten mit den eigenen Händen.
Vor zwei Jahren hätte ich solche Texte vielleicht online gestellt, aber mit der Zeit bin ich wohl auch viel kritischer mir selbst gegenüber geworden. Dahingehend, dass ich ... - na ja, hat jetzt nicht unbedingt mit inhaltlichen oder thematischen, sondern eher schon mit qualitativen Kriterien oder Ansprüchen zu tun. (Nachtrag: Vielleicht war es mir auch nicht wichtig genug; d.h. "zu verbloggende" Themen müssen mittlerweile schon eine gewisse Bedeutung und Originalität haben, sonst wird es nur lauer Aufguss). Da
erreicht man vielleicht auch die Grenzen dessen, was ein Blog (in der Außenwirkung) zu leisten vermag.
Der textliche oder literarische Geschmack verändert sich auch. Spürt man intensiver, wenn man selbst etwas schreibt bzw. versucht zu schreiben, glaube ich. Man merkt ja, dass man selbst auch schnell mal gelangweilt ist, wenn man jetzt irgendwo zum hundertsten Male dieselben Metaphern, Pointen oder Postulate liest. Wiederholungen ermüden mich. Der ewige Kreislauf. Alles kehrt letztlich zu seinen Ursprüngen zurück: Asche zu Asche, Staub zu Staub, Raum zu Raum, Leere zu Leere, Nichts zu Nichts ... usw. usf.
---
Am besten funktionieren für mich jedenfalls spontan verfasste Beiträge, die man nach dem altbewährten Fire-and-Forget-Prinzip absetzt, d.h. bei Bedarf oder kreativem Druck schnell in die Tastatur hämmert, ohne zwischendurch groß abzusetzen, und dann online stellen (eben wie eine selbst zielsuchende Fire-and-Forget-Panzerabwehrlenkrakete). Sollte dann halt nur kein Blindgänger sein. Ist ja dann auch interessant zu sehen, ob so ein Ding auch trifft bzw. wo es tatsächlich einschlägt.

Kommentare:

  1. Meist trifft es immer genau dann. Einschlag, Peng.

    AntwortenLöschen
  2. schwierig, schwierig..ich sehe auch überall zweifel und wiederholungen. da wäre die frage, was ist wirklich neu, was man denkt, schreibt, macht, alles schon mal irgendwie dagewesen..deprimierend. was macht man mit all dem zeug, das man verwofen hat? ein schönes, warmes feuer. nur nicht daheim,sonst brennt die hütte :-)mig

    AntwortenLöschen
  3. Ja, irgendwie schon. Davon abgesehen find ich es schon auch interessant, wenn man manchmal in alten, selten gelesenen oder von der Welt weitgehend vergessenen Texten Gedanken wiederfindet, die einem vielleicht selbst auch schon mal gekommen sind.
    Vielleicht kann man das geschriebene Unveröffentlichte auch behelfsmäßig (aus der Not eine Tugend machend) einfach als Mittel sehen, um Gedanken schriftlich zu ordnen, sich über etwas klar zu werden, ohne dass man es preisgeben möchte. Oder eben als Übung - der klassische sportliche Gedanke.
    Dass man sich oft in den Texten Anderer auch wiederfindet, kann man ja vielleicht auch positiv sehen, als Zeichen der Bestätigung ... (um mal einen etwas positiveren Ton einfließen zu lassen). :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Letzterer Teil kommt mir gerade bekannt vor :D

      Löschen
  4. wiederfinden, dann komme ich drauf warum es mich immer wieder hierher zieht. vergessene texte wie..?ich denke da spontan an "anweisungen für einen abstieg zur hölle" und dass frau lessing nu auch hinüber ist.aber ist das ein text den keiner mehr kennt? mig

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Anspruchsvolle Text sind nicht mehr "in"-die Menschen möchten abschalten und nicht nachdenken.

      Löschen
    2. Ja, hat doch auch keiner Zeit bzw. es nimmt sich doch keiner Zeit ... Bestenfalls greift man sich mal was von der aktuellen Spiegel-Beststellerliste.
      Na ja, über die Sachen, die ich in letzter Zeit lese, kann ich mich eh in den seltensten Fällen mal mit jemandem aus meinem näheren Umfeld unterhalten. Vielleicht auch besser so...

      Löschen
    3. Es gibt natürlich auch diese enorme Fülle an Freizeitmöglichkeiten, die alle um die begrenzte freie Zeit konkurrieren. Das und die Verdichtung und Beschleunigung des Privat- und Berufslebens trägt sicherlich auch alles irgendwie dazu bei, dass die Leute weniger lesen oder sich gezielt Informationsstücke rauspicken.

      Löschen
  5. Doris Lessing, ja, war brillant. Ich glaub, sie ist 2013 gestorben ...

    AntwortenLöschen
  6. ist schon ein wenig her,genau..die zeit rennt,ha.
    geht mir auch alles zu schnell oft. andererseits, ohne die errungenschaften der moderne könnten wir uns z.b. gar nicht unterhalten,das wär ja blöd.und wenn ich irgendwann auf meine insel ziehe wo mich niemand mehr nervt(genau,das ist jetzt postpubertär quasi,der wunsch.oder?befürchte schon), da ist die verdichtung recht praktisch im sinne von: all meine bücher mitnehmen, schwierig.ebookreader:einfacher.aber du meinst ja etwas anderes,wa. freizeit..man sollte sich nicht mehr so stressen lassen, dann hätten wir bestimmt alle mehr freizeit, frei nach pippi langstrumpf.aber hej, wenn du über bücher quatschen willst,komme ich mal vorbei ;-).wenn das mit der zeit usw mal geregelt ist..mig

    AntwortenLöschen
  7. jetzt denke ich mir gerade,sollte ich hinzufügen, hej zitrone, das sollte keine anmache sein.schon klar,wa?da ist sie wieder,sozialphobische anwandlung..lg und schönen abend mig

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. :-) Schon okay, liebe mig. Da hatte ich mir wohl umsonst Sorgen ähm Hoffnungen gemacht. ;-)

      Löschen
  8. Ich würde schon gern mehr mal über Literatur schreiben, die ich mag, wär schon cool, aber da fehlt mir irgendwie Zeit und mittlerweile auch die Muße ...
    Muße ist das tätige Nichtstun...
    Dir auch nen schönen Abend.

    AntwortenLöschen
  9. :-)
    dann mach ich das mal für dich. ein klassiker:
    "Der Regen regnet sich nicht satt.
    Es regnet hoffnungslosen Zwirn.
    Wer jetzt ´ne dünne Schädeldecke hat,
    dem regnet´s ins Gehirn." [...]
    anwendbar auf und passend zu fast jeder situation, der liebe kästner.
    gut, dann ist ja alles wie gehabt, das mit den sorgen werd ich mal überlesen;-) glg,mig

    AntwortenLöschen
  10. Haha, Klasse :-)
    - Kästner auch:
    Wird's besser?
    Wird's schlimmer?
    fragt man alljährlich.
    Seien wir ehrlich:
    Leben ist immer
    lebensgefährlich.

    AntwortenLöschen
  11. nu ists noch mitten in der nacht oder früh am morgen, wie man es denn sehen mag..ich hatte gerade besagtes buch in der hand und es heißt "anweisung für einen abstieg zur hölle" nicht: "anweisungen" mensch,zitrone, du musst unbedingt meine gedanklichen kurzschlüsse verbessern, wenn sie dir auffallen..;-)und bei gelegenheit muss ich dir vielleicht noch ein, zwei dumme fragen zum bloggen stellen, wenn das ok ist.. gute nacht! mig

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Passt schon. Ah, mir ist das gar nicht aufgefallen. Ich mach hier eh nicht auf Oberlehrer, so was kommt in Blogs nie gut an. Steht mir auch nicht zu. :-)

      Löschen